Ablaufplan

Aufbau der 12. Trierer Summer School

 

Modul 1: „Grundlagen der Sozialen Netzwerkanalyse“

Vom 17. bis 18. September führt das erste Modul ganztägig in die Geschichte und theoretische Konzepte sowie in Methoden der Datenerhebung, -auswertung und -visualisierung der SNA ein. Die Veranstaltung richtet sich an alle TeilnehmerInnen, insbesondere aber an AnfängerInnen, und bietet einen ersten Einstieg in die Thematik.
Die Lehreinheit ist als Vorlesung mit integrierten Übungen und Gruppenaufgaben strukturiert.
Es werden sowohl ego-zentrierte Netzwerke als auch Gesamtnetzwerke behandelt. Unter egozentrierten Netzwerken werden Netzwerke verstanden, die sich um ein Ego (ein bestimmter Akteur/die befragte Person) positionieren. Bei der Gesamtnetzwerkanalyse steht hingegen eine ausgewählte Gruppe von Akteuren (Unternehmen, Schulklassen, Dörfer usw.) und die soziale Struktur innerhalb dieser Gruppe im Fokus.

Dozenten: Richard Heiberger, Till Krenz, Andreas Herz

 

An das Modul 1 schließt sich am Dienstagabend eine Fragerunde rund um das Modul 2 „Praxisorientierte Soziale Netzwerkanalyse“ an. Die TeilnehmerInnen haben hier die Möglichkeit, den DozentInnen konkrete Fragen zu den Lehrinhalten der Arbeitsgruppen A, B und C sowie den angebotenen zusätzlichen Workshops zu stellen. Auf der Grundlage der Kenntnisse aus Modul 1 kann die Entscheidung für die Teilnahme an einer Arbeitsgruppe noch einmal überdacht und bei Bedarf, soweit organisatorisch möglich, geändert werden.

 

Modul 2: Angewandte Datenerhebung

Im Modul 2 Angewandte Datenerhebung werden die für die Netzwerkanalyse spezifischen Vorgehensweisen zur systematischen Erfassung empirischer Beobachtungen in praktischen Übungen eingeführt und methodisch/methodologisch diskutiert. Netzwerkanalysen basieren auf relationalen Daten, d.h. auf Daten zu Beziehungen zwischen unterschiedlichen sozialen Einheiten. Zur Erhebung dieser Beziehungen wurden für die standardisierte Primärerhebung spezifische Instrumente entwickelt (Namensgenerator, Namensinterpretation, Netzwerkmatrix, Rooster, etc.) die im Modul praktisch angewandt und diskutiert werden. Das Modul bezieht sich auf Verfahren zur Erhebung ego-zentrierter sowie soziozentrischer Netzwerke gleichermaßen. Neben Verfahren der Primärerhebung werden auch Vorgehensweisen zu Sekundärdatenerhebung vorgestellt. Das Modul 2 bietet darüber hinaus die Möglichkeit in Kurzvorstellungen die Projekte der anderen TeilnehmerInnen kennen zu lernen und offene Fragen in die Diskussion einzubringen. Das Format des Moduls umfasst Kurzeinführungen, praktische Übungen und Diskussionen.

An das Modul 2 schließt eine Fragerunde rund um das Modul 3 „Praxisorientierte Soziale Netzwerkanalyse“ an. Die TeilnehmerInnen haben hier die Möglichkeit, den DozentInnen konkrete Fragen zu den Lehrinhalten der Arbeitsgruppen A (qualitative und visuelle Netzwerkforschung) und B (quantitative Netzwerkanalyse) sowie den angebotenen zusätzlichen Workshops („VennMaker“/„Erhebung von relationalen Daten aus Texten“/„Net-Map“)stellen. Auf der Grundlage der Kenntnisse aus Modul 1 und 2 kann die Entscheidung für die Teilnahme an einer Arbeitsgruppe noch einmal überdacht und bei Bedarf, soweit organisatorisch möglich, geändert werden.

DozentInnen: Raphael Heiberger, Andreas Herz, Till Krenz, Annika Müller

Modul 3: „Praxisorientierte Soziale Netzwerkanalyse“

Modul 3 umfasst zwei bzw. drei parallel laufende Angebote zur Datenerhebung und -auswertung von sozialen Netzwerken. Je nach Forschungsinteresse können
die TeilnehmerInnen zwischen zwei bzw. drei Arbeitsgruppen entscheiden:

 

Arbeitsgruppe A – Qualitative und Visuelle Netzwerkforschung (20 Plätze):

Qualitative und visuelle Zugänge sozialer Netzwerkforschung bestimmen soziale Netzwerkanalysen von Beginn an. Auch wenn sich die soziale Netzwerkanalyse (SNA) seit deren Durchbruch in den 1960er Jahren überwiegend als standardisiert-quantitatives Arbeitsprogramm entwickelt hat, nutzen insbesondere auch frühe empirische netzwerkanalytische Studien, zumeist (auch) qualitative und visuelle Ansätze. Insbesondere seit den 1990er Jahren kommt es in der Netzwerkforschung zu einer „kulturellen Öffnung“ und damit auch zur Frage der Wechselwirkung zwischen kulturell subjektiv-sinnhaften Handlungsoptionen (kulturelle Handlungsmuster) und Netzwerkhandeln. Netzwerke werden damit nicht als gegebene Wirklichkeiten angesehen, sondern als Konstrukte, die mit Sinn belegt und entsprechend kulturell legitimierter Strategien genutzt werden. Die visuelle/qualitative Netzwerkforschung widmet sich mit Hilfe offener, narrativer und triangulativer Verfahren der Analyse von Beziehungen und den daraus entstehenden Strukturen.

Im Verlauf des Moduls 3a Qualitative und Viusuelle Netzwerkforschung werden unter Anknüpfung an aktuelle Diskussionen in verschiedenen Arbeitsphasen die Entwicklung eines Erhebungsinstruments, Datenerhebung, -Dokumentation, -Auswertung und Formen der Ergebnisdarstellung thematisiert. Die Besprechung erfolgt dabei entlang empirischer Beispiele zu relationalen Daten. Im Plenum werden Grundlagen eingeführt und Arbeitsschritte diskutiert. Strukturbezogene, interpretative und visuelle Analyseverfahren werden in Kleingruppenarbeiten „hands-on“ angewandt und eingeübt.

DozentInnen: Andreas Herz, Annika Müller

 

Arbeitsgruppe B – Quantitative Netzwerkanalyse (20 Plätze):

In der quantitativen Netzwerkanalyse wird vornehmlich mit Netzwerken, die aus einer
Vielzahl von Akteuren bestehen, gearbeitet oder mit einer hohen Anzahl
von Netzwerken, die simultan den selben Analyseprozeduren unterzogen
werden. Diese Eigenschaften erfordern den Einsatz von spezieller
Netzwerkanalyse- oder Statistiksoftware, da eine manuelle Auswertung zu
aufwändig, wenn nicht gar unmöglich wäre. Dabei stellen sich für die
unterschiedlichen Themenbereiche, in denen die Netzwerkanalyse Anwendung
finden dieselben Herausforderungen:
die Datenformate, die es zu bearbeiten gilt, sind in der historischen
Netzwerkforschung dieselben, die auch in der soziologischen
Netzwerkforschung zum Einsatz kommen, Freundschaftsbeziehungen in
Schulklassen, Managerseilschaften oder Briefverkehre aus dem 18.
Jahrhundert, Ego-zentrierte Netzwerke oder Gesamtnetzwerke werden
allesamt in der Logik der Knoten (Nodes) und Kanten (Edges) abgelegt,
der Berechnung von Netzwerkmaßzahlen und statistischen Modellen
zugeführt und in Form von Netzwerkgraphen visualisiert.

Ziel des Moduls ist es, einen Überblick über die unterschiedlichen
Programme zu geben, die zur Netzwerkanalyse zur Verfügung stehen. Eine
Auswahl dieser Programme soll an Hand von Beispieldaten gemeinsam mit
den TeilnehmerInnen trainiert werden. Neben graphisch fokussierten
Programmen, wie Gephi oder Visone wird in dem Modul
vor allem das Skript-basierte Arbeiten in der Statistiksoftware R
eingeübt. In R stehen durch zahlreiche Erweiterungen (Pakete), wie
igraph, statnet, ggraph, tidygraph (u.v.m.), moderne Analysetechniken in einem
sehr großen Umfang zur Verfügung, die sich für das Erstellen von
Auswertungsergebnissen für wissenschaftliche Publikationen anbieten. Für
die Teilnahme sind keine vorherigen Kenntnisse mit den Softwarepaketen
erforderlich, Neugier und Begeisterung im Umgang mit Computern und
Programmiersprachen sind aber hilfreich. Vor Ort stehen Computer zur
Verfügung, das Arbeiten am eigenen Gerät ist ebenfalls möglich.

Dozenten: Raphael Heiberger, Till Krenz

 

Workshops

 

Workshop „Digitale Netzwerkkarten. VennMaker und MyNetworkmap“

Die Software „VennMaker“ steht an der Schnittstelle von qualitativer und quantitativer Netzwerkanalyse. Sie erlaubt Netzwerke per digitalem Fragebogen oder mithilfe digitaler Netzwerkkarten zu erheben, und beide Formen lassen sich auch miteinander kombinieren. Aufgrund seines visuellen Erhebungscharakters ist der VennMaker besonders gut für partizipative Netzwerkinterviews, bzw. Formen der kommunikativen Validierung geeignet. Die zeitgleiche Aufzeichnung der gesprochenen Kommentare während des Interviews sowie die Einbindung von Textkommentaren etc. lassen aber auch eine qualitative Auswertung zu.

„MyNetworkmap“ ist eine cloudbasierte Anwendung für das Erheben, Visualisieren und Analysieren sozialer Netzwerke mithilfe digitaler Netzwerkkarten direkt im Webbrowser. Partizipative Netzwerkinterviews können über verteilte Orte durchgeführt werden. Das Tool kann unmittelbar und ohne Installation auf unterschiedlichen Eingabegeräten (wie z.B. Mac, Tablet, PC, Smartphone) genutzt werden.

In Gruppenarbeit wird das Erstellen von Netzwerkkarten erlernt. Die praktische Übung sieht die Konfiguration, Durchführung sowie Auswertung eines Interviews vor. Des Weiteren wird die Migration der Daten in Officeanwendungen geübt.

Beide Tools können kostenlos genutzt werden:
VennMaker (www.vennmaker.com)
MyNetworkmap (www.mynetworkmap.com)

Dozent: Michael Kronenwett, M.A. (Kronenwett & Adolphs)

 

Workshop „Net-Map“

Das Net-Map-Tool ist eine interview-basierte Methode, die es erlaubt, das Wissen um Netzwerkstrukturen als Netzwerkkarte direkt mit Papier und Stift sichtbar zu machen. Darüber hinaus können, während des Interviewprozesses, vielfältige Daten zu den Akteuren und qualitative Informationen erhoben werden, welche die Rollen der Akteure und Netzwerkstrukturen besser verständlich machen. Während des Workshops erarbeiten die TeilnehmerInnen, nach einer kurzen Vorstellung des Net-Map-Tools, relevante Fragestellungen aus ihrem jeweiligen Forschungsbereich und lernen die Anwendung des NetMap-Tools anhand dieser Fragen. Anschließend
werden verschiedene Möglichkeiten der Digitalisierung der Netzwerkkarten aufgezeigt und erste Auswertungsschritte besprochen.

Dozent: Dr. Robert Peper (Institut für Kulturpolitik, Bonn)

 

Workshop „Erhebung relationaler Daten aus Texten

Die zur Erstellung von Sozialen Netzwerken benötigten relationalen Daten werden nicht nur mit “klassischen” Formen der empirischen Sozialforschung wie Befragungen oder Beobachtungen erhoben, bzw. generiert. Viele für netzwerkanalytische Fragestellungen relevante Informationen liegen auch in unstrukturierten Texten vor. Beispiele dafür sind Biografien, Zeitungsartikel oder auch transkribierte Interviews. In diesem Workshop wird in Anlehnung an Vorgehensweisen der qualitativen Datenanalyse (QDA) in praktischen Übungen die Erhebung relationaler Daten aus solchen Texten eingeübt. Hierfür erproben die Teilnehmer die Entwicklung und manuelle Anwendung von Kodierungsschemata auf Basis von ausgewählten Textbeispielen. Zum Abschluss werden die von den Teilnehmern entwickelten Kodierungen diskutiert und die erhobenen Daten durch die Teilnehmer explorativ mit während der Summerschool kennengelernter Software oder einem kostenlosen Online-tool (Palladio) als soziale Netzwerke visualisiert.

Dozenten: Dr. Martin Stark (ILS, Büro Aachen), Dr. Marten Düring (C2DH Luxemburg)

 

Forschungsberatung

Am 14. und 15. September stehen die DozentInnen den TeilnehmerInnen für eine individuelle Forschungsberatung zur Verfügung. In einem persönlichen Gespräch können Lösungen für die eigenen Forschungsaufgaben und -projekte besprochen und gefunden werden. Die TeilnehmerInnen profitieren hierbei von der Expertise und den Erfahrungen der DozentInnen. Das Angebot wurde aufgrund des großen Erfolges und der hohen Nachfrage der letzten Jahre wieder in das Programm aufgenommen. Wenn Sie das Angebot in Anspruch nehmen wollen, reichen Sie bitte bis zum 31. Juli ein Abstract ein.

 

Rahmenprogramm

Neben dem Gastvortrag bietet das gesellige und kulturelle Rahmenprogramm der Summer School die Möglichkeit, das eigene „social networking“ zu betreiben. Beim geselligen Abend lernen sich die TeilnehmerInnen näher kennen und bereits begonnene Gespräche können bei einem Glas Wein weiter vertieft werden. Ebenso wird die alte Römerstadt Trier mit ihren Sehenswürdigkeiten aus allen Jahrhunderten auf einer Stadtführung erkundet.

 

Ablaufplan 2018

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