Ablaufplan

Aufbau der 11. Trierer Summer School

 

Modul 1: „Grundlagen der Sozialen Netzwerkanalyse“

Vom 11. bis 12. September führt das erste Modul ganztägig in die Geschichte und theoretische Konzepte sowie in Methoden der Datenerhebung, -auswertung und -visualisierung der SNA ein. Die Veranstaltung richtet sich an alle TeilnehmerInnen, insbesondere aber an AnfängerInnen, und bietet einen ersten Einstieg in die Thematik.
Die Lehreinheit ist als Vorlesung mit integrierten Übungen und Gruppenaufgaben strukturiert.
Es werden sowohl ego-zentrierte Netzwerke als auch Gesamtnetzwerke behandelt. Unter egozentrierten Netzwerken werden Netzwerke verstanden, die sich um ein Ego (ein bestimmter Akteur/die befragte Person) positionieren. Bei der Gesamtnetzwerkanalyse steht hingegen eine ausgewählte Gruppe von Akteuren (Unternehmen, Schulklassen, Dörfer usw.) und die soziale Struktur innerhalb dieser Gruppe im Fokus.

Dozenten:
Dr. Markus Gamper, Universität zu Köln
Dr. Richard Heidler
Till Krenz (M.A.), Universität Magdeburg

An das Modul 1 schließt sich am Dienstagabend eine Fragerunde rund um das Modul 2 „Praxisorientierte Soziale Netzwerkanalyse“ an. Die TeilnehmerInnen haben hier die Möglichkeit, den DozentInnen konkrete Fragen zu den Lehrinhalten der Arbeitsgruppen A, B und C sowie den angebotenen zusätzlichen Workshops zu stellen. Auf der Grundlage der Kenntnisse aus Modul 1 kann die Entscheidung für die Teilnahme an einer Arbeitsgruppe noch einmal überdacht und bei Bedarf, soweit organisatorisch möglich, geändert werden.

 

Modul 2: „Praxisorientierte Soziale Netzwerkanalyse“

Modul 2 umfasst zwei (13. September) bzw. drei (15. und 16. September) parallel laufende Angebote zur Datenerhebung und -auswertung von sozialen Netzwerken. Am Mittwoch, 13. September, erfolgt das Modul ganztägig,Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils nur vormittags. Je nach Forschungsinteresse können
die TeilnehmerInnen zwischen zwei bzw. drei Arbeitsgruppen entscheiden:

 

Arbeitsgruppe A – Gesamtnetzwerke (20 Plätze):

Welches übergeordnete Strukturmuster hat ein Netzwerk? Wo befinden sich Bereiche verdichteter Kommunikation? Welche Akteure sind zentral, wer sind die Broker in einem Netzwerk? Welche strukturellen und attributionalen Faktoren beeinflussen die Entstehung, Beibehaltung und Beendigung von Relationen? Diese Fragen lassen sich mit Gesamtnetzwerken untersuchen. Im Unterschied zu ego-zentrierten Netzwerken wird hier nicht nur die direkte Umgebung eines Akteurs erfasst, sondern die Gesamtheit der Beziehungen, zwischen einem abgegrenzten
Set von Akteuren, wie z. B. einer Schulklasse, einem Politikfeld, einer wissenschaftlichen Disziplin, einem Dorf, usw. Das Modul Gesamtnetzwerke legt einen Schwerpunkt auf das Einlesen und das Auswerten von Daten von Gesamtnetzwerken. Dabei wird eine Bandbreite von Software zum Einsatz
kommen, wodurch ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen aufgezeigt werden. Typische Netzwerkformate und Verfahren der Datenmodifikation, sowie die Berechnung von Zentralitätsmaßen werden mit Pajek durchgeführt. Auch die Blockmodellanalyse wird in Pajek zum Einsatz kommen, und dann in GNU-R fortgesetzt. Die Grundlagen von R werden in einer Sitzung die gemeinsam mit dem Egomodul stattfindet gelehrt. Darüber hinaus wird R verwendet, um Syntax-basiert Auswertungen und Transformationen von Netzwerken vorzunehmen. Schließlich wird in R auch die Modellierung von Netzwerken mit ERGM, anhand einer Schulklasse von 1880/81 demonstriert. Final kommt das Programm Gephi zum Einsatz, um sich besonders mit den Fragen und Anforderungen guter visueller Darstellungen von Netzwerken zu beschäftigen. Hierzu wird ein Hochzeitsnetzwerk grafisch repräsentiert. Das Format des Moduls umfasst praktische Übungen, Diskussionen und lässt auch Raum für eigene Vorschläge.

Dozenten: Dr. Richard Heidler / Michael Kronenwett, M. A. (Kronenwett & Adolphs UG) / Dr. Raphael H. Heiberger, Universität Bremen

 

Arbeitsgruppe B – Ego-Netzwerke (20 Plätze):

Welche Formen sozialer Unterstützung werden von verschiedenen Beziehungen erbracht? Hat die Einbettung eines Akteurs in sein soziales Netzwerk Auswirkung auf die Generierung innovativer Ideen oder führt Mediennutzung zu Desintegration? All diese Fragen lassen sich mit Verfahren der ego-zentrierten Netzwerkanalyse untersuchen, wobei ego-zentrierte Netzwerke formal die Beziehungen eines Akteurs (Ego) zu anderen Akteuren (Alteri) dessen direkter Netzwerkumgebung sowie den Beziehungen zwischen diesen Akteuren (Alter-Alter-Relationen) darstellen.
Das Modul „ego-zentrierte Netzwerke“ führt in standardisierte Erhebungs- und Auswertungsverfahren ego-zentrierter Netzwerke ein. Nach einer exemplarisch durchgeführten Fragebogenerhebung und ausführlicher Diskussion von Erhebungsvarianten, liegt der Fokus auf der quantitativen Auswertung eines bereits vorliegenden Datensatzes mit Hilfe GNU-R. Hierzu werden Daten- und Analyseebenen, Datentransformationen sowie grundlegende Analysestrategien verdeutlicht. Hierzu zählen die syntaxbasierte Berechnung von Netzwerkmaßen, Typenbildung von ego-zentrierten Netzwerken über Clusteranalysen, Mehrebenenmodelierungen sowie grundlegende Visualisierungen. Für die Teilnahme sind Grundkenntnisse in statistischer Datenanalyse von Vorteil. Das Format des Moduls umfasst Kurzeinführungen, praktische Übungen und Diskussionen.

Dozenten: Dr. Markus Gamper / Dr. Andreas Herz / Till Krenz (M.A.)

 

Arbeitsgruppe C – Visuelle/qualitative Netzwerkforschung (20 Plätze):

Seit den 1990er Jahren kommt es in der Netzwerkforschung zu einer „kulturellen Öffnung“ und damit auch zur Frage zur Wechselwirkung zwischen kulturell subjektiv-sinnhaften Handlungsoptionen (kulturelle Handlungsmuster) und Netzwerkhandeln. Netzwerke werden damit nicht als gegebene Wirklichkeiten angesehen, sondern als Konstrukte, die mit Sinn belegt und entsprechend kulturell legitimierter Strategien genutzt werden. Die visuelle/qualitative Netzwerkforschung widmet sich mit Hilfe offener, narrativer und triangulativer Verfahren der Analyse von Beziehungen und den daraus entstehenden Netzwerken. Es geht vor allem um die individuellen Geschichten hinter den Knoten und Kanten und den daraus von den Befragten sinnhaft belegten Strukturen. Der Fokus dieser Arbeitsgruppe liegt vor allem auf der qualitativen Erhebung und Auswertung relationalen Daten. Hierfür werden in Kleingruppenarbeit Daten mit Net-Map und VennMaker erhoben. Danach werden die Daten mit strukturbezogenen und visuellen Analyseverfahren ausgewertet. Hierbei werden visuelle Daten und Audiodaten aufeinander bezogen und die Sinnhaftigkeit herausgearbeitet. Das Format des Moduls umfasst Kurzeinführungen, praktische Übungen und Diskussionen.

DozentInnen: Dr. Markus Gamper / Dr. Andreas Herz

 

 

Workshops

 

Workshop „VennMaker“

Die Software „VennMaker“ steht an der Schnittstelle von qualitativer und quantitativer Netzwerkanalyse. Sie erlaubt Netzwerke per digitalem Fragebogen oder mithilfe digitaler Netzwerkkarten zu erheben, und beide Formen lassen sich auch miteinander kombinieren. Aufgrund seines visuellen Erhebungscharakters ist der VennMaker besonders gut für partizipative Netzwerkinterviews, bzw. Formen der kommunikativen Validierung geeignet. Die erhobenen Daten können in „klassischer Weise“ mit Excel, Pajek oder R quantitativ ausgewertet werden. Die zeitgleiche Aufzeichnung der gesprochenen Kommentare während des Interviews sowie die Einbindung von Textkommentaren etc. lassen aber auch eine qualitative Auswertung zu. In Gruppenarbeit wird das Erstellen von Netzwerkkarten mit Hilfe des VennMakers erlernt.

Die praktische Übung sieht die Konfiguration, Durchführung sowie Auswertung eines Interviews vor. Des Weiteren wird die Migration der Daten in Officeanwendungen und R erprobt.
Dozent: Michael Kronenwett, M. A. (Kronenwett & Adolphs UG)

 

Workshop „Net-Map“

Das Net-Map-Tool ist eine interview-basierte Methode, die es erlaubt, das Wissen um Netzwerkstrukturen als Netzwerkkarte direkt mit Papier und Stift sichtbar zu machen. Darüber hinaus können, während des Interviewprozesses, vielfältige Daten zu den Akteuren und qualitative Informationen erhoben werden, welche die Rollen der Akteure und Netzwerkstrukturen besser verständlich machen. Während des Workshops erarbeiten die TeilnehmerInnen, nach einer kurzen Vorstellung des Net-Map-Tools, relevante Fragestellungen aus ihrem jeweiligen Forschungsbereich und lernen die Anwendung des NetMap-Tools anhand dieser Fragen. Anschließend
werden verschiedene Möglichkeiten der Digitalisierung der Netzwerkkarten aufgezeigt und erste Auswertungsschritte besprochen.

Dozent: Dr. Robert Peper (Institut für Kulturpolitik, Bonn)

 

Workshop „Prozessgenerierte Daten und historische
Netzwerkanalyse“

Die Untersuchung von Netzwerkdynamiken, d. h. der Veränderung von Netzwerkstrukturen in der Zeit, gewinnt unter HistorikerInnen und SozialwissenschaftlerInnen eine immer größere Bedeutung. Hierbei ist es aber oftmals nicht möglich oder praktikabel, “klassische“ Formen der sozialwissenschaftlichen Datenerhebung wie Befragungen und Beobachtungen anzuwenden. Prozessgenerierte Quellen oder Daten liegen hingegen oftmals bereits für längere Zeiträume vor und ermöglichen vielfältige dynamische Analysen. Prozessgenerierte Quellen entstehen beispielsweise während Verwaltungsvorgängen aber auch während „Oral History Interviews“. Sie sind nicht direkt durch die Forschenden für individuelle Fragestellungen erhoben worden und müssen deshalb kundig und kritisch interpretiert werden um für aussagekräftige Datenerhebungen nutzbar zu werden. Ziel des Workshops ist es, eine Einführung und praktische Handreichung in die Besonderheiten der Erhebung von dynamischen Netzwerkdaten aus prozessgenerierten Quellen zu geben. Der Workshop gliedert sich wie folgt: Grundlagen, Quellenübung, Dateneingabe/Codierung, Datenausgabe(Einstieg in die Auswertung)/Fragen und Diskussion.

Dozenten: Dr. Martin Stark (Hamburg), Dr. Marten Düring (CVCE Luxemburg)

 

Forschungsberatung

Am 14. und 15. September stehen die DozentInnen den TeilnehmerInnen für eine individuelle Forschungsberatung zur Verfügung. In einem persönlichen Gespräch können Lösungen für die eigenen Forschungsaufgaben und -projekte besprochen und gefunden werden. Die TeilnehmerInnen profitieren hierbei von der Expertise und den Erfahrungen der DozentInnen. Das Angebot wurde aufgrund des großen Erfolges und der hohen Nachfrage der letzten Jahre wieder in das Programm aufgenommen. Wenn Sie das Angebot in Anspruch nehmen wollen, reichen Sie bitte bis zum 31. Juli ein Abstract ein.

 

Rahmenprogramm

Neben dem Gastvortrag bietet das gesellige und kulturelle Rahmenprogramm der Summer School die Möglichkeit, das eigene „social networking“ zu betreiben. Beim geselligen Abend lernen sich die TeilnehmerInnen näher kennen und bereits begonnene Gespräche können bei einem Glas Wein weiter vertieft werden. Ebenso wird die alte Römerstadt Trier mit ihren Sehenswürdigkeiten aus allen Jahrhunderten auf einer Stadtführung erkundet.

 

11te_Summer_School_2017_Ablaufplan

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